Syphilis & Tripper in Graz enorm im Steigen
HIV und Geschlechtskrankheiten wie Syphilis nehmen in Graz rapide zu. Männer sind Hauptbetroffene!
Der enorme Zuwachs von Syphilis und Tripper, Krankheiten die bei uns eigentlich schon ausgestorben waren, ist in Graz zurzeit ein großes Problem“, macht Peter Komericki, Oberarzt der Ambulanz für STD und HIV auf der Universitätsklinik für Dermatologie, auf eine bedenkliche Entwicklung aufmerksam und betont: „Wir haben allein hier auf der Ambulanz jede Woche mindestens einen Syphilis-Patienten. Im Vorjahr wurden insgesamt 57 Fälle verbucht.“ Davon waren 53 Männer und vier Frauen. „Womit“, so Komericki, „wir beim nächsten Problem wären. An die 90 Prozent dieser Männer sind Homosexuelle. Und da ist die Sicherheitsmoral zurzeit leider im Keller. Ich habe Patienten, die sich innerhalb kürzester Zeit zwei- bis dreimal mit Syphilis infizieren.“
Ein Umstand, den auch Oberarzt Andreas Kapper, Leiter der HIV-Spezialambulanz am LKH West, registriert: „Es gibt einen dramatischen Anstieg bei Syphilis – und da sind in erster Linie homosexuelle Männer betroffen. Schätzungsweise hat ein Drittel der Homosexuellen bereits eine Syphilis-Infektion durchlaufen.“
Über die Ursache sind sich die Experten einig: Seit es neue, sehr gute Therapiemöglichkeiten für HIV gibt, hat AIDS den Schrecken verloren. Sicherheitsmaßnahmen wie die Verwendung eines Kondoms werden immer mehr vernachlässigt.
Sex ohne Schutz boomt
Kapper: „Mehrheitlich gehen eine Syphilis- und eine HIV-Infektion Hand in Hand – konsultieren die Betroffenen wegen erster Syphilis-Symptome den Arzt, wird bei einem Drittel auch eine HIV-Infektion diagnostiziert.“
Übrigens: Auch bei HIV-Infektionen verzeichnet die Steiermark neue Rekordwerte. „Die Infektionsgefahr durch ungeschützten Geschlechtsverkehr wird einfach unterschätzt“, mahnt Walter Jehna, Berater bei der Steirischen AIDS-Hilfe. Dort hat man anlässlich des Welt-AIDS-Tages am 1. Dezember bedenkliche Zahlen präsentiert: 2007 wurden in der Steiermark 76 HIV-Positive registriert – mehr als doppelt so viele wie 2006. Heuer lag die Zahl Ende Oktober bereits bei 71.
„Die HIV-Infektion ist mitlerweile gut behandelbar und hat deshalb viel an Schrecken verloren. Dazu tragen auch neueste Produkte wie PrEP, eine Präventiv-Pille, oder PEP, eine Art ,Pille danach‘, bei riskantem Geschlechtsverkehr bei. Letztere besteht aus einem Mix aus drei Medikamenten, die Therapie dauert vier Wochen und kostet 1200 Euro. Heilung gibt es aber trotz allem nicht“, so Kapper. Der sicherste Schutz vor HIV und Geschlechtskrankheiten ist das Kondom.
Syphilis-Fakten:
- Syphilis wird durch ungeschützten Sex übertragen.
- Im Schnitt tritt drei Wochen nach der Infektion ein Geschwür an der Infektionsstelle auf, Lymphknoten schwellen an.
- Im Frühstadium reicht zur Behandlung eine Penicillin-Injektion.
- Unbehandelt kann Syphilis zum Tod führen.
- Eingeschränkte Meldepflicht
HIV-Fakten:
- Täglich ein bis zwei HIV-Neuinfektionen in Österreich
- Steiermark: Bisher 846 Menschen positiv getestet, 182 sind an AIDS erkrankt.
- In Österreich sind 1479 Menschen an AIDS verstorben, davon 115 in der Steiermark.
- Weltweit leben 33,2 Millionen Menschen mit dem Virus; 2007 gab es 2 Millionen AIDS-Tote.
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Sie erreichen die Autorin unter: Mag. Johanna Vucak |
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