Glückssuche führt ins Unglück
Ein Grazer berichtet über den täglichen beinharten Kampf gegen seine Glücksspielsucht.
Keine Sucht treibt die Betroffenen so schnell in den finanziellen Ruin wie die Spielsucht. Insbesondere die Automaten, die immer öfter in Lokalen zu finden sind, ziehen den Leuten das Geld aus der Tasche.
Der Grazer Toni B. (Name von der Redaktion geändert) war 25 Jahre lang süchtig nach Glücksspielen und konnte sich vor vier Jahren nur unter großen Anstrengungen von seiner Sucht lossagen. „Ich bleibe aber trotzdem mein ganzes Leben lang ein Spieler. Dessen bin ich mir bewusst“, berichtet er. „Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, ich muss permanent daran arbeiten, nicht mehr zu spielen. Nur so funktioniert es.“
Im Durchschnitt hat er 200 bis 300 Euro am Tag beim so genannten „kleinen“ Glücksspiel verloren, bei dem man in nur einer Minute bis zu 100 Euro verspielen kann. Lediglich mit großem Arbeitseifer (der heute 46-Jährige hatte parallel drei Jobs) und jeder Menge „erschwindelten“ Krediten konnte er seine Sucht finanzieren. Niemand wusste von seiner Krankheit, selbst vor seiner Frau konnte er die Spielsucht 18 Jahre lang (!) geheimhalten. Und das hatte Folgen: „Das ewige Lügen machte mir schwer zu schaffen. Ich war 24 Stunden am Tag im Dauerstress, weshalb ich stressbedingt Diabetes und schließlich einen Herzinfarkt bekam.“
Der absolute und ausweglos scheinende Tiefpunkt zwang B. zum Umdenken. „Ich gestand meiner Frau, die mich seither bei meinem Kampf unglaublich toll unterstützt, meine Sucht und besuche seit damals eine Selbsthilfegruppe.“ Und das mit großem Erfolg: „Ich habe endlich wieder ein Leben! Ich habe wieder Zeit, um Familie, Freunde und Bekannte zu treffen, auch meine Beziehung läuft endlich völlig unbelastet. Jetzt weiß ich: Wenn ich vom Leben etwas spüren will, dann geht das nur ohne das Glücksspiel.“
|
Sie erreichen den Autoren unter: Tobit Schweighofer |
|



Veranstaltung hochladen
Alle Events