Kinder: Angst vor dem Zahnarzt wächst
Die Angst der Kinder vorm Zahnarzt wird immer ärger – Grazer Ärztin hilft mit Liedern, Hypnose und bunter Ordination.

Regelmäßiges Zähneputzen sorgt dafür, dass die Kids den Zahnarzt nicht sooft aufsuchen müssen. (Foto: photos.com)
Die Zahnärztin Sabine Wenger ist seit fünf Jahren auf die Behandlung von Kindern spezialisiert – am Uniklinikum Graz und in ihrer Ordination. Und da fällt ihr eines ganz besonders auf: „Die Angst der Kinder vor dem Zahnarzt wird immer ärger. Da wird der Mund nicht aufgemacht, da wird geheult und davongelaufen. Ganz schwere Fälle können überhaupt nur unter Narkose behandelt werden.“ Daher arbeitet die Medizinerin mit einer Reihe „Tricks“ und schafft es so, den Kleinen die Angst zu nehmen. „Ich biete Kinderhypnose an – dazu werden von mir und meiner Assistentin Geschichten erzählt und Lieder gesungen, das lenkt ab.“
Musik & Geschichten
Kinder dürfen in der bunten Praxis, die mit allerlei Stofftieren ausgestattet ist, während der Behandlung aber auch Kassetten hören. „Weil erwiesen ist, dass Kinder, die sich Musik anhören, weniger schmerzempfindlich sind. Und“, so die Ärztin, „ich verwende ausschließlich positive Wörer – der Bohrer ist bei mir der Zahnbesen, der Sauger der Schlurfi, Blut wird zur Erdbeermarmelade. Auch Verneinungen werden vermieden. Also ,Es tut nicht weh‘ oder ,Hab keine Angst‘ gibt es bei mir nicht. Weil sich das Kind an den Wörtern ,weh‘ und ,Angst‘ festklammert.“
Auch Lachgas kommt in der kindergerechten Praxis zum Einsatz – das erhöht die Schmerzschwelle und verändert das Zeitgefühl.
Wenger dazu, woher die Angst kommt: „Eltern übertragen ihre eigene Angst sehr oft auf die Kinder. Kinder setzen auch verstärkt ihren eigenen Willen durch – und machen den Mund einfach nicht auf. Dazu kommt Angst vor Geräuschen und das Klischee, dass es beim Zaharzt wehtut.“
Tipps für die Eltern
Eltern brauchen eigentlich keine besonderen Vorbereitungen für den Zahnarztbesuch zu treffen. Wenger: „Einfach sagen ,Wir gehen zum Kinderzahnarzt‘, das reicht. Auf keinen Fall mit Formulierungen wie ,Es tut nicht weh‘ beruhigen versuchen – das verstärkt die Angst nur. Den Kindern auch keine Geschenke versprechen, nach dem Motto ,Wenn du tapfer bist, bekommst du ...‘ Damit wird Druck auf das Kind ausgeübt.“
Wichtig ist, früh genug mit den Zahnarztbesuchen zu beginnen – bis zum 1. Lebensjahr sollte ein Kind einmal beim Zahnarzt gewesen sein. Wenger: „Wenn schon früh prophylaktisch gearbeitet wird, wenn alle Probleme rund um Flascherl und Schnuller angesprochen werden, kommen massivere Schäden gar nicht auf. Wird nur kontrolliert, nicht behandelt, fällt auch die Angst.“
|
Sie erreichen die Autorin unter: Mag. Johanna Vucak |
|



Veranstaltung hochladen
Alle Events