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29.03.2009, erstellt von MK

Franzobel als Muse für Grazer Anarchos


Jüngst zierten Nazisprüche die Straßen – der Hintergrund: Studenten zitierten aus Franzobel-Stück.


(Foto: Theater Graz)


Viele Leute dürften sich gefragt, gewundert und geärgert haben, als sie kürzlich unter ihren Füßen Sprüche wie „Wenn beten, dann zum Führer“ oder „Parzifistengfrast“ (sic!) lesen mussten. Was von Bürgern und auch der Polizei, die Erhebungen einleitete, für eine recht hirnlose Aktion rechter Aktivisten gehalten wurde, entpuppt sich jetzt aber als Demonstration aus dem anderen politischen Lager: Eine Gruppe Grazer Studenten zeichnet nämlich für die Kreide-Sprüche verantwortlich – sie wollte mit der Aktion auf die widerstandsarme Geschichte der Steiermark hinweisen, wie die Truppe, die lieber im Geheimen bleiben will, jetzt via Mail verkündet hat.

Die Sprüche selbst stammen dabei aber nicht gerade irgendwoher: Sie sind jenem kürzlich am Grazer Schauspielhaus uraufgeführten Stück Franzobels gewidmet, in dem er sich dem Thema Widerstand nähert – in „Prinzessin Eisenherz“ wird die Geschichte der Eisenerzerin Milli Deutsch, die während des Zweiten Weltkriegs Widerstandskämpfer versteckt hielt, aufgearbeitet. An das Bühnenmanuskript gelangten die eifrigen Studenten „mit viel Stress“, wie sie sagen – und schildern ihre weiteren Gedanken: „Einige der Aussagen in dem Text rüttelten uns ganz besonders auf und wir entschieden uns, der Bevölkerung das Hinschauen zu erleichtern durch Aufschreiben dieser Sprüche mit Kreide, und ihnen das Wegschauen zu erschweren, indem wir stark frequentierte öffentliche Plätze und Straßen dafür auswählten.“

Jedoch: Was der Autor selbst dazu sagen könnte, wurde nicht bedacht – Franzobel zeigt sich nämlich ob der Aktion recht verwundert: „Ich habe keine Ahnung, wie man zu den Texten gekommen ist, denn das Stück war vor der Uraufführung gar nicht freigegeben. Im Prinzip birgt es auch immer eine Gefahr, Sätze aus ihrem Kontext zu lösen.“

 

 

Sie erreichen die Autoren unter:

Mag. Evelyn Peternel

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Email: evelyn.peternel@media21.at

 

 

 

 

 

 

 

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Tobit Schweighofer

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