Rapper mit Tiefgang
Canice Charlesworth ist kommenden Samstag beim Warm-up für das „Four Elements“ im p.p.c. dabei. Die Geschichte eines sensiblen Grazer Rappers mit schwieriger Kindheit ...
Er ist bodenständig und tiefgründig. Er hat eine soziale Ader und verliert das Wesentliche niemals aus den Augen. Und – er rappt. Canice Charlesworth ist zwar erst 24 Jahre alt – in der steirischen Hip-Hop-Szene dafür aber umso bekannter. Um in der populären Musikrichtung noch weiter voranzukommen, fehlt es allen heimischen Hip-Hoppern aber an „breitenwirksamen Medien“, sagt er, denn: „Die Zeiten sind vorbei, wo jemand allein dank eines guten Albums groß rausgekommen ist.“
Und das ist schade, denn Canice will mit seinen Liedern nicht nur eine Stimmung („Manchmal ist man eben traurig, manchmal gut drauf – das versuch’ ich in meiner Musik widerzuspiegeln.“) transportieren, sondern auch Botschaften vermitteln: „Auch wenn Rap leider diesen Ruf hat, will ich keinem 15-Jährigen erzählen, er soll rausgehen und Leute zusammenschlagen.“ Seine Songtexte spiegeln vielmehr sein eigenes Leben wider: „Ich hab’ selbst viele Fehler gemacht“, erzählt Canice aus seiner nicht immer einfachen Jugend. „Ich hatte gröberen Stress mit meinem Stiefvater“, erinnert er sich auch an Handgreiflichkeiten zurück. Im Klartext „habe ich öfters mein Fett abgekriegt und daraufhin auch selbst viel Blödsinn gemacht“. Aber auch wenn „mein Vater nicht immer so war“, sind jene Zeiten für ihn vorbei: „Mit diesem Kapitel habe ich abgeschlossen und daraus meine Lehren gezogen.“
Sport und Studium
Neben der Musik und dem Psychologiestudium steht daher noch ein weiterer Job am Programm des Grazers – als Sozial- und Jugendbetreuer: „Das hat sicher auch mit meiner Vergangenheit zu tun.“ Daneben nimmt sich Canice aber noch Zeit für Sport – macht Taekwondo, betreibt Krafttraining und geht laufen. Seit eineinhalb Jahren ist er zudem auch vergeben: „Ich habe zwar nicht allzuviel Zeit, aber es ist dennoch eine stabile, feste Beziehung.“
Weniger stabil ist hingegen das musikalische Geschäft der heimischen Rapper, wie Canice immer wieder betont: „Als Österreicher in der Hip-Hop-Szene akzeptiert zu werden, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Und oft geht leider nicht wirklich viel“, weiß er – und: „Ich habe Bekannte, die von ihrem Album nur 50 Stück verkauft haben. Das ist eben hart – es steckt so viel Zeit und Energie dahinter.“ Dennoch hofft er, dass ihm das bei seiner nächsten Platte nicht passieren wird. Und die kommt im Oktober ...
Das Four-Elements-Festival:
Mit dem traditionellen Motto „Hip-Hop ist wesentlich mehr als nur eine Musikrichtung“ startet „Four Elements“ rund um die Veranstalter Timo Sadovnik und Dorian Pearce kommenden Samstag im p.p.c. mit dem „Warm-up“ in den Convention-Monat. Beim Warm-up im p.p.c werden neben dem Grazer Rapper Canice (siehe Reportage links) auch Edo Maajka oder DJ Williams ab 22 Uhr auf der Bühne Gas geben.
Das eigentliche Festival findet schließlich von 2. bis 5. Juli bereits zum vierten Mal statt: „Über 100 Künstler sorgen dann für die Beleuchtung aller vier Elemente des Hip-Hop“, erklärt Mit-Erfinder Pearce. Vom Rap oder DJ-ing über Graffiti bis hin zu Breakdance wird beim vielfältigen Programm alles mit dabei sein. Zudem werden auch die Diskussionsrunden und Workshops mit teils internationalen Gästen wie in den Jahren zuvor eine zentrale Rolle spielen, die integrierten Elemente Film und Diskurs wurden gar noch erweitert.
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Sie erreichen den Autor unter: Michael Kloiber |
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