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    Leider auch diese Woche Flop für Kurzmann, der sich in Sachen „Juden-Sager“ hinter Parteichef Heinz-Christian Strache gestellt hat.

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    Schwimmen und Wassergymnastik stärken die Gelenksmuskulatur. Gut gegen Entzündungen: Vitamin E, Gemüse wie Brokkoli liefert Mineralien.

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    Gelenkserkrankungen sind schmerzhaft, schränken die Lebensqualität ein. Daher: Übergewicht und Überbelastung wie Extremsport meiden.

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10.04.2009, erstellt von MK

,Der Papst macht sich mitschuldig‘


Gery Keszler bei seinem Graz-Besuch über Aids, Bürgermeister Siegfried Nagl und die jüngsten Papst-Aussagen ...


Auf Graz-Besuch: Gery Keszler und RoSy-Frontman Robert Koschier (r.) (Foto: Thomas Koller/FOTOMA)


Life-Ball-Organisator und Aids-Life-Obmann Gery Keszler besuchte am Wochenende zum zweiten Mal das lesbisch-schwule RoSy-Clubbing und stand dem „Grazer“ daraufhin als einzigem Medium exklusiv Rede und Antwort ...

"der Grazer": Sie kleben die ersten Plakate für den Life Ball immer selbst - warum das?
Keszler:
Weil das eine lieb gewonnene Tradition ist, die es mir erlaubt, gleichzeitig unsere Kontakte in der Wiener Gastronomie zu pflegen. Außerdem ist es so, dass wir eine sehr schlanke Teamstruktur haben, in der es eben auch dazu gehört, sich um die Affichierung der Plakate zu kümmern.

Der Life Ball war ursprünglich als einmaliger Event geplant. Warum haben Sie dann doch weitergemacht? Und: Wie schwierig war es eine Veranstaltung im Zeichen eines Tabu-Themas zu etablieren?
Keszler:
Nach dem ersten Life Ball hat mich ein sehr enger Freund, der maßgeblich am Aufbau von Aids Life, dem Trägerverein des Life Balls, beteiligt war und damals schon sehr krank, gebeten, einen zweiten zu organisieren. Nach diesem Life Ball war dann relativ klar, dass viele österreichische Aids-Organisationen ohne unsere finanzielle Unterstützung in ihrer Existenz gefährdet wären und man den Event institutionalisieren sollte. Natürlich gab es anfangs viele Widerstände, vor allem von konservativer Seite, aber auch eine unglaubliche Solidarität – aus Kunst, Kultur, der Modeszene, vom Publikum und sehr stark von Seiten der Stadt Wien, ohne deren Willen es den Life Ball in der Form nicht geben würde. Bis heute ist er der einzige Aids-Charity-Event weltweit, der in einem politischen Gebäude, dem Wiener Rathaus, stattfindet.

Apropos Tabuthema: Vergleicht man die Neuinfizierungsrate anhand von Zahlen der steirischen Aids-Hilfe aus den Jahren 2006 und 2008, ist die Zahl der HIV-Diagnosen in diesem Zeitraum in der Steiermark um 230 Prozent gestiegen. Woran kann das liegen? Zweifeln Sie angesichts derartiger Zahlen Ihr Engagement manchmal selbst an?
Keszler: Das liegt leider an einem allzu sorglosen Umgang der Menschen, von denen viele ob der guten medizinischen Behandlung glauben, HIV/Aids sei heilbar, was natürlich nicht stimmt. Es fehlt meiner Meinung nach auch an kontinuierlicher Aufklärungsarbeit, die nicht von den Aids-Hilfen, sondern vom Gesundheitsministerium bundesweit zu erfolgen hätte. Das lässt mich allerdings nicht an unserem Engagement zweifeln, sondern zeigt klar, wie wichtig dieses ist. Der Life Ball sorgt durch seine mediale Präsenz über mehrere Monate im Jahr dafür, dass das Thema öffentlich bleibt und diskutiert wird. Und man darf auch nicht vergessen, dass all diese neu infizierten Menschen ja wiederum Hilfe brauchen, man kann sie ja nicht einfach ihrem Schicksal überlassen!

Was kann man gegen den derzeitigen Anstieg der Neuinfizierungen tun?
Keszler:
Aufklären, wachrütteln, reden. Den Leuten noch stärker bewusst machen, dass Aids eine tödliche Krankheit ist, die auch bei allen medizinischen Fortschritten nur schwer zu behandeln ist und dem Betroffenen viele Einschränkungen abverlangt. Gesundheitlich wie in der Regel auch sozial.

Im Vorjahr war es Niki Lauda, der in einem Interview anmerkte, dass sich die Freizügigkeit mancher Life-Ball-Gäste für ihn schwer mit dem Thema Aids vereinbaren lässt. Wie sehen Sie das? Wie viel Nacktheit verträgt der Life Ball?
Keszler:
Aids und Nacktheit schließen sich per se sicher nicht aus, was Herr Lauda meint, ist eher ein ästhetisches Problem. Oder, wie Chris Lohner es einmal ausdrückte: Ein Penis allein ist noch kein Kostüm. Wir versuchen, die Gäste zu animieren, ihre Phantasie anzuregen und ihnen klar zu machen, dass ihre optische Erscheinung – denn sie sind die wahren Stars des Abends – auch eine Visitenkarte ist, die von Wien aus um die ganze Welt geht. Die meisten wissen das auch, und den wenigen anderen kommunizieren wir das heuer noch klarer. Kreativität und Eleganz sind gefragt, was durchaus sexy sein kann, und die Style Police an den Eingängen zum Ball wird dies heuer auch noch stärker kontrollieren.

Das heurige Ballmotto ist Wasser - wie kam es zur Idee, die vier Elemente zu den Themen bis zum Jubiläumsball zu machen?
Keszler:
Das ist das Ergebnis vieler kreativer Nachdenkprozesse. Die Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer sind in ihrer wuchtigen Symbolik archaisch, in ihrer aktuellen Wertigkeit aber zugleich enorm fortschrittlich. Denn noch immer sind es diese Elemente, welche die Weltbevölkerung ernähren, das ökologische Gleichgewicht stützen, für die Gesundheit eine lebensnotwendige Rolle einnehmen und der wirtschaftlichen Entwicklung dienen. Wasser – das Element 2009 – ist der Beginn allen Lebens und der Evolution. Die Erde ernährt uns. Luft lässt uns atmen und trägt uns über die Kontinente. Und die Entdeckung des Feuers war überhaupt der Beginn der Zivilisation.

Seit 2008 gibt es die Aktion „Berufsschwuchtel“ - wie kam diese zustande, wie geht es damit weiter?
Keszler:
Ich wurde in einer rechtsnationalen Zeitschrift als „Berufsschwuchtel“ bezeichnet, was extrem abwertend gemeint war, mit dem Ziel, mich stellvertretend für alle homosexuellen Menschen zu diskreditieren. Aus diesem Grund haben wir den Begriff umgedreht und in der Kampagne mit den Mitteln des Humors quasi neutralisiert – fast 200 prominente Persönlichkeiten haben besagtem Medium den Hass aus den Segeln genommen, indem sie sich solidarisiert und als „Berufsschwuchtel“ geoutet haben. Die Aktion ist eigentlich abgeschlossen, die Homepage www.berufsschwuchtel.org gibt es aber noch, und auch die T-Shirts kann man noch immer bestellen.

Der Grazer Bürgermeister weigerte sich vor einigen Jahren in einem Interview mit der Tageszeitung Die Presse, „Homosexualität zur Normalität in unserer Gesellschaft“ zu erklären, und drückte seine „Hoffnung“ aus, dass der „Glaube vielleicht für diese Menschen dazu führen könnte, dass sie mit dieser Form des Zusammenlebens aufhören“. Was sagen Sie zu diesen Aussagen?
Keszler: Vielleicht sollte sich besagter Herr in diesem Zusammenhang einmal weniger mit dem „Glauben“ und mehr mit der Wissenschaft auseinandersetzen, dann würde er wissen, dass zwischen fünf und 10 Prozent aller Menschen – in allen Kulturen – auf dieser Welt homosexuell sind. Das ist ein Fakt, den es anzuerkennen gilt, egal, ob mir das persönlich gefällt oder nicht. Lesben, Schwule, Transgender und Bisexuelle sind eine Minderheit und deshalb besonders schützenswert, das Outing junger Menschen ist oft schwer genug und wird durch solche Aussagen noch zusätzlich erschwert. Ich bin auch der Überzeugung, dass der Staat hier die Rahmenbedingungen für eine vollkommene rechtliche Gleichstellung zu schaffen hat, was in Österreich leider nur sehr schleppend passiert. Je selbstverständlicher etwas ist, desto leichter wird es von der Bevölkerung auch akzeptiert. Und so, wie ich Jesus verstehe, hätte er Ausgrenzung auch niemals akzeptiert.

Papst Benedikt XVI. erklärte jüngst in Kamerun, die Aids-Epidemie in Afrika könne nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Vielmehr sei die einzige Lösung „eine spirituelle und menschliche Erneuerung der Sexualität“. Wie würden Sie das katholische Kirchenoberhaupt als Organisator des größten Aids-Charity-Events vom Gegenteil überzeugen?
Keszler:
Nur mit der Verteilung von Kondomen kann die Aids-Epidemie auch nicht gelöst werden, dazu bedürfte es eines internationalen politischen, medizinischen und sozialen Kraftakts, der im Moment wohl illusorisch ist. Aber Kondome sind momentan nun einmal der einzig wirksame Schutz, und Enthaltsamkeit zu predigen, geht an der Realität genauso vorbei. Wenn der Papst dies dennoch tut und Kondome verteufelt, macht er sich indirekt ganz klar mitschuldig. Vom Gegenteil überzeugen kann ich ihn sicher nicht, aber vielleicht würde es ihm helfen, in Afrika auch einmal Hometowns zu besuchen und sich die verheerende Situation dort anzusehen.

Der Reinerlös des Life Balls fließt ja in Aids-Projekte. Worin wurde in den letzten Jahren in der Steiermark investiert?
Keszler:
Aids Life unterstützt jährlich die Steirische Aids Hilfe – vor allem im Bereich Direkthilfe, die unser vordringlichstes Anliegen ist. Die genaue Geldervergabe – national wie international – kann übrigens auf www.lifeball.org nachgelesen werden.

Sie waren am Wochenende zum zweiten Mal am RoSy-Clubbing in Graz. Wie hat es Ihnen vor Ort gefallen?
Keszler:
Sehr gut. Ich war mit einem Mitarbeiter da, um unsere Ticketaktion „Durex Good Luck Fairies“ zu promoten und Kondome zu verkaufen. In 100 dieser insgesamt 3.000 Durex-Kondompackungen verstecken sich Kaufoptionen für Life Ball Style Tickets.

Wie wichtig sind derartige Events für die Homosexuellen-Szene in einer Stadt wie Graz?
Keszler: Sehr wichtig, weil sie das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Gerade in kleineren Städten wähnen sich Lesben, Schwule und Transgender oft allein und wissen gar nicht, wie viele andere es auch noch gibt. Bei Partys wie dem RoSy-Clubbing kann man unbeschwert feiern, sich kennen lernen, unterhalten und hoffentlich auch verlieben!

 

Sie erreichen den Autor unter:

Michael Kloiber

Telefon: 0316/6051-2624
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