Firmen setzen auf „Tauschhandel“
Die Finanzkrise hat auch kuriose Folgen: Der Tauschhandel lebt dadurch wieder auf – auch bei Grazer Unternehmern.
Tauschhandel – ja, das kennt man aus einer Zeit, als sich unsere Vorfahren gerade mal vom Vier- zum Zweibeiner entwickelten. Oder doch nicht? Nein – denn auch im 21. Jahrhundert ist diese Form des Handels durchaus beliebt – und das nicht nur im kleinen Kreis.
Online-Tauschbörse
Ganze Firmen, ganze Internet-Plattformen gibt es, die sich dem Tauschhandel widmen – auf professioneller Basis: Das Portal abcmarkets.com etwa bietet seit Jahren für Klein- und Mittelbetriebe die Möglichkeit an, Leistungen zu tauschen – darunter fallen Waren wie auch Dienstleistungen.
Derzeit erfreut sich das Portal gerade wegen der Schwierigkeiten am Finanzmarkt besonderer Beliebtheit: „Die heimischen Betriebe suchen nach Alternativen, um ihre Investitionen tätigen zu können“, sagt abcmarkets-Sprecher Michael Grimm.
Naturalien statt Geld
Genauso ist es auch dem Grazer Architekten Harald Wasmeyer ergangen: Er ist seit zwei Jahren Mitglied im abcmarkets-Netzwerk – und hat davon ordentlich profitiert: „Ich hab’ einige Aufträge nur dadurch bekommen, weil ich Mitglied bin“, sagt er. Die moderne Form des Tauschhandels machte sich für ihn in Form von zumindest vier Aufträgen bezahlt. Etwa ein Autohaus-Zubau in Niederösterreich oder den Neubau eines Geschäfts- und Wohnkomplexes hat er so vermittelt bekommen – wie auch den Neubau eines Weingutes im Burgenland. „Der Winzer hat in Naturalien bezahlt“, lacht Wasmeyer. Auch Anfragen aus Deutschland hat ihm seine Tausch-Aktivität beschert – weshalb er jetzt für sein neues Büro wieder darauf zurückgreift: Das Guthaben, das ich angesammelt habe, kann ich dann für mein neues Büro verwenden.“
Und nicht nur Architekten finden sich auf der „Online-Tauschbörse“ – auch eine Grazer Apotheke hat vom System profitiert, Hotels – wie etwa der Landgasthof Liebmann in Laßnitzhöhe – sind ebenso dabei wie Juweliere, Landwirte, Installateure oder Autohändler.
Das System
Wobei: Das Schema hinter dem Warentausch ist natürlich nicht ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht: Jeder Nutzer hat ein eigenes Konto, über das er seine Leistungen feilbieten kann – diese werden dann mit den Leistungen anderer gegenverrechnet.
Für jede Dienstleistung und jede Ware muss natürlich auch eine Rechnung gestellt werden – und diese wird klarerweise ebenfalls versteuert. Der Vorteil dabei: „Im Vergleich zu einem Kredit, den man aufnehmen müsste, zahlt man natürlich keine Zinsen“, sagt Grimm.
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Sie erreichen die Autoren unter: Mag. Evelyn Peternel |
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