Annenstraße: Jetzt reden die Bürger!
GEFRAGT. Warum ist die Annenstraße nicht mehr das, was sie mal war? Die TU erforscht das – und bittet endlich auch Bürger zu Wort!

Ulrich Tragatschnig und Monika Stromberger vor ihrem Forschungsobjekt, der Annenstraße
Einst war die Annenstraße die Prachtstraße in Graz – Geschäft reihte sich an Geschäft, die Kunden kamen sogar aus dem Umland, um dort einzukaufen. Mittlerweile hat sich das Blatt allerdings gewendet: Immer mehr Geschäfte in der Annenstraße stehen leer, die einstigen Kunden wandern ab.
Warum dies so ist, beschäftigt seit Langem die Politik – und seit Kurzem auch die Forschung: Die Grazer Historiker Monika Stromberger und Ulrich Tragatschnig untersuchen dies nun im Rahmen eines Projekts der TU Graz. „Wir haben uns zuerst die historische Situation angeschaut, um auf dieser Basis die aktuelle Lage – vor allem die Debatte rund um das geplante Einkaufszentrum ECE – zu analysieren“, sagen die Historiker. Ihr Plan dabei: Auch für die politischen Entscheidungsträger – Stadt, Land und Wirtschaftskammer finanzieren das Projekt mit – eine Grundlage für weitere Schritte in der Annenstraße zu schaffen.
Kebab statt Greißler
Erste Schlüsse konnten bereits gezogen werden – vor allem den Niedergang der Straße betreffend: „Seit den 1980er-Jahren geht der Handel in der Annenstraße deutlich zurück, vor allem zugunsten der Gastronomie und von Dienstleistungsbetrieben.“ Filialisten und Großmärkte würden zudem dort Fuß fassen; auch sie „vertreiben“ den klassischen Einzelhändler – und sorgen somit auch für eine Fülle an leer stehenden Geschäftsflächen. Leere Geschäfte und Kebabläden statt Greißler und Fachgeschäft, könnte man also überspitzt formulieren.
Was durch den Bau des ECE passieren könnte, hat man sich ebenfalls angeschaut: „Der Trend zur Gastronomisierung der Annenstraße könnte sich durch das ECE noch weiter verstärken“, sagen Tragatschnig und Stromberger. Das Beispiel Klagenfurt – dort hat sich das ECE im Zentrum angesiedelt – würde genau dies zeigen. „Dort reiht sich neben dem ECE ein Gastgarten an den anderen.“
Bürger am Wort
Doch nicht nur die Entwicklung seit den 80ern hat sich das Duo genau angesehen – sie bitten nun auch die Betroffenen vor den Vorhang: „Wir starten im Herbst drei Befragungswellen vor Ort, gemeinsam mit Studenten der TU.“ Dann wird anfangs abgefragt, wie zufrieden die Geschäftsleute in der Annenstraße mit ihrem Standort sind – verglichen wird dies dann mit einer Studie aus dem Jahr 1999, die dieselbe Fragestellung zum Inhalt hatte. In Runde zwei werden dann die Kunden zu Wort gebeten: „Wir wollen wissen, woher sie kommen und warum sie in der Annenstraße einkaufen.“ Und den Abschluss der „Fragerunde“ bildet dann eine Interview-Serie in einem Shopping-Center: „Dort fragen wir ebenfalls, warum sich die Kunden fürs Einkaufszentrum entscheiden – und wieso sie es der Annenstraße vorziehen.“
Politiker, schaut her!
Zweck der Umfragen ist es somit auch, die Wünsche der Bürger zu eruieren. Getreu dem Motto „Politiker, schaut her!“ – „denn die Leute richten damit die Botschaft, wie sie sich ihre Annenstraße wünschen, an die Politik“.
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Mag. Evelyn Peternel |



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