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15.11.2009, erstellt von MK

Mit 90 fallen noch Späne


Der Grazer Franz Kiefer ist der älteste Tischler Mitteleuropas – und werkt auch heute noch mit großer Leidenschaft.


Wirkliche Gebrechen hat er nicht. Er hört ein wenig schlecht und die Dämpfe haben sich ihm auf die Lunge geschlagen – ein paar Huster zeugen immer wieder davon. Aber abseits davon ist Franz Kiefer für seine 90 Jahre erstaunlich fit: „Und ich hab’ auch noch alle meine zehn Finger“, lächelt er – und das gleicht einem kleinen Wunder: Denn Kiefer ist nicht nur der älteste Gewerbetreibende in Graz, sondern auch der älteste noch aktive Tischler Mitteleuropas.

Seit 55 Jahren übt er diesen Beruf aus – auch heute noch, und zwar mit Leidenschaft: „Jetzt hab’ ich gerade einen Hocker getischlert, für den Maroniverkäufer beim LKH.“ Gefertigt hat er ihn in seiner Werkstatt, in der er seit 1960 arbeitet. Dort türmen sich Holzscheite neben Ehrbekundungen: Erst heuer hat er eine Auszeichnung vom ehemaligen Wirtschaftskammer-Präsidenten Peter Mühlbacher bekommen: „Das war eine seiner letzten Amtshandlungen“, scherzt Kiefer. 22 Lehrlinge hat er ausgebildet, „der letzte ist jetzt in Pension gegangen“. Und daran, wie viele Angestellte er sein Leben lang führte, kann er sich gar nicht mehr recht erinnern: „Es waren immer bis zu acht Mann in der Firma, und dazu noch die Hilfsarbeiter.“

Sein Leben hat Kiefer der Tischlerei gewidmet. Auch im Krieg werkte er als Tischler – tagsüber, in der Nacht musste Kiefer die Scheinwerfer der Bombenabwehr bedienen. Seine Frau hat er über die Arbeit kennengelernt, das Leben in der Werkstatt verbracht. Aus dieser geht er heute nur, um seine geliebten Kaninchen zu füttern – und um die Apfelbäume im Obstgarten zu betreuen: „Mir sind auch acht Meter hohe Bäume nicht zu hoch“, grinst er schelmisch. „Einer muss sich ja um den Garten kümmern!“

5 bis 10 Äpfel pro Tag

Wie man mit 90 noch so fit sein kann? Kiefer muss es wissen – und hat eine schnelle Antwort parat: „Fünf bis zehn Äpfel pro Tag. Und Topinambur – mit Knoblauch!“ Der Wein ist für ihn „ein Gift – die Leute trinken und rauchen viel zu viel“. Nur ein Bier ab und zu, das gönnt er sich. Ebenso wie gutes Essen – das er sich nach wie vor selbst zubereitet: „Mit hilft nur eine Raumpflegerin. Ab und zu.“
Die Pension – das ist ein Fremdwort für Kiefer. „Ach, wofür denn“, fragt er. Denn: „Arbeit hab’ ich ja ohnehin genug.“

 

Sie erreichen die Autorin unter:

Mag. Evelyn Peternel

Telefon: 0316/6051-2617
Fax: 0316/ 6051-2641
Email: evelyn.peternel@grazer.at