Von Hebeln, Tritten, Stößen und Griffen – meine ersten Erfahrungen im Jiu Jitsu

Von Hebeln, Tritten, Stößen und Griffen – meine ersten Erfahrungen im Jiu Jitsu

Hallo! Heute möchte ich euch einen kurzen Einblick in meine ersten Erfahrungen mit Jiu Jitsu geben, die ich im Rahmen einer meiner USI Kurse gesammelt habe. Viel Spaß!

Was ist Jiu Jitsu?

Jiu Jitsu ist eine Kampfsportart, bzw. zählt zu den Kampfkünsten, die bereits auf eine längere Tradition zurückblicken kann. Es stammt aus dem Japanischen und bedeutet soviel wie „die sanfte/nachgebende Kunst“. Es handelt sich damit um eine Kampfkunst, die auf die Samurai zurückgeht, wo es primär um die waffenlose Selbstverteidigung geht. Ziel ist dabei nicht die Eskalation, vielmehr bietet die Kampfkunst auch eine gute Möglichkeit zur friedlichen Lösung des Konfliktes.

Wie es die Übersetzung des Namens bereits vermuten lässt, geht es auch nicht darum, mit der eigenen Kraft den Gegner kampfunfähig zu machen, und sich gegenseitig zu messen, wer wohl stärker sei, als vielmehr die eigenen Kräfte möglichst zu schonen und sich dazu der Kraft des Gegners zu bedienen.

Welche Techniken stehen zur Verfügung?

In unserem USI Kurs bekommen wir einen groben Überblick über die vielen spannenden Techniken, die Jiu Jitsu bietet. Mit dabei: Schläge, Tritte, Würfe, Stöße, Hebel und Würgetechniken, die wir nun nach und nach kennenlernen und zu üben beginnen.

Hebel – Wie fixiere ich damit einen Gegner am Boden?

Wie läuft die Einheit ab?

Bereits der Beginn einer Stunde ist sehr spannend. Durch die Tradition gibt es eine klare Aufstellung, aufgrund derer die Trainer gegenüber den Schülern stehen. Durch klare Befehle geben die Trainer vor, was die Schüler als nächstes zu tun haben.

Der erste Befehl nach der Aufstellung beginnt etwa mit dem Niederknien in einer Linie im sogenannten „Fersensitz“, was etwa die Durchblutung und Konzentration fördern soll.

Als nächstes werden auf Befehl die Augen geschlossen und die Hände ineinander gelegt – die Einheit beginnt mit einer kurzen Meditationseinheit, die dazu dienen soll, dass man den Alltagsstress hinter sich lässt, ruhig durchatmet, Ruhe findet, und sich dadurch vollkommen auf die folgende Trainingseinheit konzentrieren kann.

Dies finde ich insofern bemerkenswert, wie es sonst nur selten eine solche Vorbereitungszeit auf die sogleich folgende Einheit gibt – denkt etwa an euer Training im Fitnessstudio, bereits wenn ihr hereinkommt, könnt ihr Musik aus allen Lautsprechern hören, die Fernseher flackern mit den verschiedensten TV Inhalten, überall klirren die Gewichter, daneben stehen ein paar Typen und unterhalten sich lautstark bei der Getränkebar. Konzentration und Fokus finden sich dabei nur selten.

Die kurze Besinnungsphase zu Beginn erscheint anfänglich zwar vielleicht etwas seltsam, erfüllt aber jedenfalls ihren Zweck.

Nachdem die Augen wieder geöffnet wurden, legen alle die Hände vor sich in Dreiecksform auf den Boden und verneigen sich voreinander – der Respekt und die Ehrerbietung zeigen den wertschätzenden Umgang miteinander. Interessant ist dabei jedoch, dass die Samurai / die Übenden ihr Gegenüber nicht aus den Augen lassen – denn vertraut hat man sich trotz all des Respekts und Ehrerbietung nicht, und durch den Blick aus den Augenwinkeln konnte sichergestellt werden, dass nicht der andere (Samurai) doch plötzlich aufspringt und den unterwürfigen Gegner attackiert. Kurz gesagt:

Samurai sind höflich, aber vertrauen niemandem.

Wenn diese traditionellen Formalitäten beendet sind, geht es mit dem Training richtig los. Spannend war bereits das Warm-Up, das auf den ersten Blick zwar anstrengende und komische Übungen darstellte (so mussten wir uns zB sitzend mit unseren Füßen über den Boden ziehen), im weiteren Verlauf des Trainings jedoch plötzlich Sinn machte, weil diese Bewegungen oft elementare Bedeutung für die folgenden, komplexen Abläufe hatten (zB im Bodenkampf lernten wir dadurch, wie wir uns vom Gegner entfernen bzw. in eine bessere Position bewegen konnten).

Wie kommt man aus dieser Situation – oder noch besser: Vermeidet sie überhaupt?

Je nach Trainingsschwerpunkt nahmen wir nach dem Warm-Up schließlich verschiedene Kombinationen aus Schlägen, Tritten, Würfen, Würgetechniken und Hebeln durch. Mich fasziniert vor allem die große Vielfalt, die Jiu Jitsu mit sich bringt – dadurch ist auch gewährleistet, dass durch die verschiedenen Bereiche das Training nie eintönig wird und es immer etwas gibt, woran ihr arbeiten könnt.

Selbst für mich als erfahrenen Sportler stellt das Training jedes Mal eine neue, große Herausforderung dar. Natürlich kommen mir die bereits vorhandenen Skills wie Kraft, Ausdauer, etc. zugute, bei der Technik hilft dies jedoch alles nichts – hier musste ich auch von Beginn weg die neuen Bewegungen einlernen.

Das gute dabei ist, dass die meisten von diesen Techniken sehr logisch nachvollziehbar sind und in vielen Fällen auch Weiterentwicklungen von natürlichen Reflexen darstellen. Wenn etwa jemand auf euch zustürmt, und euch würgen möchte, werden eure Arme in der Regel automatisch nach oben zum Hals gehen und versuchen, die Hände des Angriffes wegzuziehen und euch Luft zu verschaffen. Diesen Reflex erweitert ihr noch mit ein paar einfachen Griffen und Schritten und schon habt ihr eine super Möglichkeit, wie ihr euch gegen solche Angriffe wehren könnt und die Situation unter Kontrolle bringt. Das tolle daran ist, dass jeder von uns diese Techniken lernen kann – nicht nur Profisportler, sondern auch schwächere Menschen, die in der Regel nicht viel Körperkraft aufbringen können, wie zB ältere Frauen und Kinder. 

Im Endeffekt sind solche Abwehrtechniken, die gerade im Alltag sehr wichtig sein können (denkt etwa an Schlägereien in Diskos, oder Überfälle in Parks, etc.) nicht so schwer zu erlernen; jedoch reicht es nicht, sich diese nur vorzustellen bzw. zu meinen, dass man diese aufgrund der Einfachheit nicht üben muss. Denn genau so, wie ihr im Training die Übungen ausführt, werdet ihr sie auch in den Notsituationen abrufen und anwenden. Je genauer, gewissenhafter und öfter ihr die Bewegung also wiederholt, umso mehr werdet ihr später davon auch haben (auch wenn ihr dies hoffentlich nie brauchen werdet).

Zum Abschluss des Trainings wird das traditionelle Prozedere wiederholt; wiederum knien sich die Schüler gegenüber den Trainern auf den Boden, und mit der abschließenden Meditation und Verneigung wird die Einheit dann auch respektvoll abgeschlossen.

Fazit

Nach den ersten Einheiten im Jiu Jitsu bin ich natürlich noch lange kein Meister, habe aber gemerkt, dass mir das Training aufgrund der großen Vielfalt und Abwechslung sehr viel Freude bereitet und mich herausfordert. Was mich an den Kampfsportarten bzw. Kampfkünsten ebenso enorm fasziniert, ist der Fokus auf die mentale Komponente, was in anderen Sportarten eher selten der Fall ist.

Ich werde das Training also motiviert fortsetzen und freue mich schon darauf, neue Techniken zu lernen.

Hast du schon mal einen Kampfsport gemacht?

Gib mir gerne Bescheid und schreibe mir eine Nachricht,

bis nächste Woche

dein Niko Juranek


Über den Autor

Niko ist bei Blog Acht Null unser Blogger für Sport in Graz – neben seinem Jus Studium beschäftigt er sich weiters mit Persönlichkeitsentwicklung, Mentaltraining & persönlichem Wachstum und berichtet dabei auf seinem Blog über seine Erfahrungen in Studium, Sport & auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

http://www.julianclauskoch.com/
Bis zum nächsten Mal! Euer Niko (Bild: http://www.julianclauskoch.com/)
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