Interview mit Grav Karellø

Interview mit Grav Karellø

Ich muss gestehen, zwischen 15 und 17 Jahren verbrachte ich meine Freizeit gerne im Grazer Stadtpark. Dort habe ich viele Freunde kennengelernt und mit so manchen habe ich heute noch zu tun und freue mich immer, wenn ich sie sehe. Einer der besagten Personen ist Max. Max war damals Mitglied der Band „Kellerkinder“ – heute ist er Sänger und Gitarrist der Band „Grav Karellø“. Ich hatte die Ehre ein Interview mit der Grazer Punk-Band zu führen:

Clarissa: Wieso heißt ihr Grav Karellø?

Dani: Da sind große Mühten dahinter. Eine davon ist, dass wir nach Rudi Carrell benannt sind, der leider als Komiker verschmäht worden ist, aber eigentlich Grafmarkt in Holland war. Grav Karellø sind seine unehelichen Nachfolger und wir schwelgen jetzt in seinem Traum dahin, dass wir den Namen Carell hochhalten.

Clarissa: Max, euer Sänger und Gitarrist, war ja Mitglied der Grazer Band „Kellerkinder“. Wie kam es zu der Idee, wieder eine Band zu gründen bzw. wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

Dani: Das war eigentlich ganz einfach: Max hat unseren ehemaligen Schlagzeuger, Kili, kennengelernt und daraufhin haben sie gejammt. Unser neuer Gitarrist Chris hat über „bandcamp.com“ ausgeschrieben, dass er eine Band sucht – Deutschpunk soll es sein. Sie haben ihm darauf geantwortet und gesagt, dass sie das machen wollen. Kili hat daraufhin gemeint, dass er noch einen Typ kennt, der Bass spielt – damit war ich gemeint. Ich habe eigentlich keinen Bass gespielt, lieber Gitarre, aber dann haben wir uns getroffen und darauf geeinigt, dass wir eine Band gründen (ähnlich wie Ärzte, WIZO, Terrorgruppe) und ich spiele Bass.

Clarissa: Aber ihr wart davor nicht befreundet oder ähnliches, sondern habt euch über das Internet kennengelernt?

Dani: Ja, genau, so ist es.

Clarissa: Wie läuft das bei euch jetzt freundschaftlich?

Dani: Ja, total. Wie gesagt, Musik ist unser gemeinsame große Nenner. Aber auch privat hängen wir oft gemeinsam ab. Aber musikalisch haben wir durch die Bands WIZO, Ärzte und Terrorgruppe zusammengefunden und das hat gepasst. Ich wollte Songs schreiben und auf die Bühne gehen und das machen wir mittlerweile auch.

Clarissa: Wie würdest du eure Musik objektiv beschreiben?

Dani: Im Prinzip ist es Punk-Rock – das Genre ist aber breit gefächert. Als Referenz-Bands würde ich jetzt mal auf musikalischer Ebene Terrorgruppe sowie WIZO und auf textlicher ganz viel Farin Urlaub oder die Ärzte, sprich wir schreiben ganz witzige Texte. Aber im Grunde sind es intelligente Texte mit der Musik von der Terrorgruppe.

*Max hat mittlerweile den Backstage-Bereich betreten*

Clarissa: Max, wie bist du dazu gekommen wieder Musik zu machen?

Max: Naja, ich bin inzwischen Papa geworden. Ich war lange mit einem Mädchen zusammen. Das war eine schöne Zeit, die ich nicht missen will. Ich habe mit dieser Frau ein Kind gezeugt. Das Kind ist dreieinhalb Jahre alt und es geht ihm gut. Aber es war doch so, dass wenn man eine Frau hat, die gerade ein Baby hat, andere Perspektiven hat, als ein junger Musiker, der sagt, er will jetzt Rock’n’Roll spielen, Terrorgruppe-Songs covern und mich im Keller ansaufen. Das passt nicht zusammen. Im Endeffekt haben wir uns getrennt und kurz darauf habe ich Grav Karellø gegründet.

Clarissa: Da geht’s jetzt um euren ersten Song: Wieso ist denn Graz tot?

Max: Das Lied hat Spuren von Ironie enthalten – das haben wir schon immer gesagt. Aber sagen wir’s gerade aus: Die Konzerne am Stadtrand, Pensionisten und die Studenten profitieren von Graz. Und in der Stadt wird z.B. ein kleines Venue, in dem wir gerade sitzen und das zum Teil wirklich mit ehrenamtlichen Leuten funktioniert, wird nicht gefördert. Wenn man an Wien denkt, gibt es z.B. seit 20 Jahren die Arena und die holen Bands wie Bad Religion her. Bei uns in Graz kann man froh sein, wenn Grav Karellø mal dreideutige Aussagen spielen und die Leute ein bisschen schwitzen dürfen. Und gleichzeitig die Stadtparksituation: Der Park war seit Anbeginn ein Platz für Jazzer, Hippies oder Punks, die später mal Häuser besetzt haben, aber das mag das Establishment in Graz nicht. Sie sperren den Pavillon ab, damit Leute, die obdachlos sind, oder Leute, die gerne dort sind, ihn nicht mehr betreten können. Das ist eine sehr autoritäre Politik, die sich mittlerweile leider in ganz Europa durchzieht. Es gibt Ordnungswachen, und wenn du einen Kaugummi ausspuckst, kannst du 35€ Strafe zahlen. Das ist nur für eines da: Um „unangemessene“ Leute aus dem Stadtbild zu drängen.

Clarissa: Wo wäre es denn besser?

Max: In Amsterdam z.B.

Dani: Das Ding ist… Naja, Graz ist schon cool. Graz ist eine Großstadt, aber trotzdem noch übersichtlich, was sie sehr sympathisch macht. Das Problem ist, dass so Kulturen wie z.B. der Punk sehr gebremst werden. Ich glaube, das funktioniert, so böse es klingen mag, in Wien besser, weil die Leute einfach viel mehr Freude an Punk-Rock haben und das Freiheitsgefühl dort einfach viel größer ist.

Clarissa: Was kann man gegen die Problematik in Graz machen?

Dani: Du kannst Konzerte veranstalten. Du kannst zeigen, dass du da bist – einfach da sein und immer wieder Stellung beziehen.

Max: Wenn du z.B. siehst, dass die Ordnungswache einen Bettler vertreibt, dann stell dich dazwischen.

Dani: Und sonst einfach Konzerte besuchen.

Max: Unsere vor allem!

Dani: Es kommen so großartige Bands nach Graz, aber fast keiner weiß es und geht zu den Shows.

*Eine Person im Backstage „Missstand z.B. Die sind so freundlich!“*

Clarissa: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Max: Also wir werden Anfang des nächsten Jahres eine CD aufnehmen und sie als Langspielplatte vermarkten. Es werden Songs von uns allen sein. Auf jeden Fall wird es unterhaltsam sein und man wird aufhorchen und sagen „He, org, dass das geht in Graz“.

Dani: Wir werden viele Shows spielen. Zwei, drei sind schon geplant. Im Jänner sind wir in Wien. Im März in Klagenfurt, das ist in Kärnten. Wir haben heuer schon in Italien gespielt. Vielleicht können wir das nächstes Jahr wieder machen.

Max: Südtirol.

Dani: Der nächste Schritt ist eben in Wien und Linz zu spielen. Dann in München und dann sehen wir, wo es uns hinzieht.

Clarissa: Wie habt ihr euren Frequency-Gig gefunden?

Max: Es war durchlaucht würde ich sagen. Es waren viele Lauchs dort.

Dani: Es war wichtig, dass wir es gespielt haben. Es war die erste Show, die wir außerhalb der Steiermark hatten. Es war eine große Erfahrung neben großen Bands zu spielen. Das war spannend. Aber man lernt auch die andere Seite kennen, dass große Veranstalter doch nicht so nett sind.

Max: Kleine Veranstalter kümmern sich eher darum, dass die Band einen Schlafplatz, was zum Essen hat und sich wohlfühlt.

Dani: Aber wir spielen lieber im Wakuum oder Sub, also kommt’s da hin.

Max, der Sänger und Gitarrist, und ich.

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