Feine Sahne Fischfilet starten mit „Sturm & Dreck“ ins neue Jahr

Feine Sahne Fischfilet starten mit „Sturm & Dreck“ ins neue Jahr

Vor gut einem Monat, hatten „Die Toten Hosen“ einen Gig in Wien. Die Hosen sind dafür bekannt, mit besonderen Bands auf Tour zu gehen. Ich kann mich noch erinnern, als ich die Düsseldorfer mit meinem Papa 2009 in Deutschland gesehen habe – die Vorbands für das eintägige Festival waren unter anderem Deichkind und Joe Ramone. 2017 wurden die Hosen von keiner anderen Band als „Feine Sahne Fischfilet“ begleitet. Ich traue mich fast sagen, dass Feine Sahne Fischfilet mehr Punk als die „alten Herren“ lieferten. Am 25. Mai gastiert die norddeutsche Formation in Graz. Außerdem haben die Punkrocker vor ein, zwei Wochen ihre neue Scheibe „Sturm & Dreck“ veröffentlicht.

Die aus Mecklenburg-Vorpommern kommende Punk-Rock-Band wurde 2007 von fünf befreundeten Schülern gegründet. Während die Jungs damals ihr Unwesen auf eher kleinen Bühnen in der unmittelbaren Umgebung trieben, sind ihre Shows heutzutage im deutschsprachigen Raum bereits ausverkauft – das habe ich sowohl am Nova Rock Festival als auch beim Hosen-Konzert gemerkt. Die Wiener Stadthalle war bereits zu „früher“ Stunde gut gefüllt.

Die politische Position von Olaf, Kai, Monchi, Jacobus, Max und Christoph ist eindeutig: Sie setzen sich gegen politisch rechte und Neonazi-Bewegungen ein und sind öfters Gäste bei Demos gegen den Rechtsruck. Neben Problemen mit dem Verfassungsschutz und deutschen politischen Parteien, besonders der AfD, sind Bedrohungen seitens der politisch rechten Szene nichts Neues. “Seit wir Musik machen, werden wir beschimpft, bedroht, angegriffen. Es gab Buttersäure-Anschläge auf unseren Proberaum und auf mehrere Clubs, in denen wir auftreten wollten. Immer wieder wurden Konzerte abgesagt, weil die Veranstalter zu viel Angst vor Überfällen hatten. Eines Tages prangte mein Gesicht mit gespaltenem Schädel auf Tausenden von Aufklebern, die Nazis gedruckt und verteilt hatten. Vor einer Weile hat jemand eine Axt in meine Motorhaube gehauen.“, erzählt Monchi, der Lead-Sänger der Band, der Zeit.

Neben ihrer politischen Gesinnung gegen den „immer populärer werdenden“ Rechtsruck in Europa blieben die Jungs aber auch ihrer musikalischen Linie treu. Sie charakterisiert sich als schnell, laut und aussagekräftig. Der ausschließlich deutschsprachige Punk-Rock wird von Blasinstrumenten, die an Ska erinnern, begleitet. Während die ersten Alben eher was für die Szene sind, merkt man bei ihrer fünften Scheibe „Sturm & Dreck“ eine spürbare Weiterentwicklung. Diese Weiterentwicklung hat aber nichts mit Radiotauglichkeit, Mainstream oder dem Abschweifen von Punk-Rock zu tun – nein, die Jungs machen und sind auf jeden Fall noch immer Punk. Sie hat damit zu tun, dass das Album griffiger und sortierter wirkt, als seine Vorgänger. Ganze eineinhalb Jahre haben die Jungs daran gearbeitet, damit das Album wirklich besonders wird und das spürt man! Ich will jetzt nicht sagen, dass das Album „sozial verträglicher“ ist, aber es geht schon deutlicher ins Ohr als seine Vorgänger: Die Texte sind zugänglicher und politische Massages werden nicht zu oft, aber gezielt, vermittelt. „Sturm & Dreck“ handelt über Partys, Alkohol, den Hass gegen Burschenschaften, Liebe, ihrer Defintion von Heimat und natürlich den „Dreck der Zeit“, also dem heutigen Zeitgeist.

Feine Sahne Fischfilet haben es geschafft ihre Energie, die sie auf Konzerten vermitteln, auch in einem Tonträger zu verpacken. Das bloße Hören der Scheibe macht richtig Spaß und Vorfreude auf Live-Shows, regt zum Pogen an und die parolischen Gesänge laden zum Mitsingen ein. Im Song „Alles auf Rausch“ meint Monchi, dass er noch immer nicht singen kann, doch ist das für Punk überhaupt wichtig? Punk muss rau und dreckig sein und klare Aussagen machen. Dieser Unperfektionismus macht doch alles in seiner Summe wunderschön, unvergleichbar und perfekt.

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